Zwei Tage vor dem Finale der Champions League

 

Un final de la Liga de Campeones vivido en Colombia 2012

 

Con la ocasión del final de la Liga de Campeones 2020 entre Paris Saint-Germain y el Bayern de Munich, en este domingo, 23 de agosto, miramos una vez atrás al final 2012.

En mi viaje por Colombia en 2012 estuve en Salento durante el final en el día 19 de mayo, un partido otravez con el Bayern de Munich y el Chelsea de Londres en el famoso “finale dahoam”.

El primer tiempo fue lento y determinado por táctica.

Al final se puso dramático y en los penales el Bayern perdió los nervios. Schweinsteiger si disparó y hubo lágrimas entre los avicionados.

 

© Texto y Fotos Frank Semper

Un mensaje optimista para un mundo en crisis

Dr. Frank Semper für DKF-Blog

14/08/2020

 

Juan Manuel Santos.

Un mensaje optimista para un mundo en crisis.

Prologo de Steven Pinker

Editorial Planeta, Bogotä 2020

Kindle E-Book €10,99

 

(K)Eine leichte Sommerlektüre

Immer wenn vom Ex-Präsidenten Älvaro Uribe die Rede ist, wie in diesen Tagen, als ihn das oberste kolumbianische Strafgericht, die Corte Suprema, wegen des dringenden Verdachts der Bestechung und des Prozessbetruges unter Hausarrest gestellt hat, stellt sich auch die Frage, womitsein Amtsnachfolger Juan Manuel Santos (JMS) augenblicklich beschäftigt ist.

Anders als Uribe, der nach wie vor kräftig in der Tagespolitik mitmischt, ist JMS nach Ende seinerPräsidentschaft in andere Sphären entschwebt. Der Friedensnobelpreisträger von 2016 spielt nunmehr, wie viele der handverlesenen Persönlichkeiten, denen diese herausragende Auszeichnungzuteil wurde, zumal wenn sie einmal Staats- und Regierungschef gewesen sind, wie Michael Gorbatschow, Nelson Mandela oder Barak Obama, in einer anderen Liga. Sie genießen durchweg große internationale Anerkennung, aber ihre außerordentliche Visionsgabe, die das Weltgeschehenals Ganzes in den Blick zu nehmen gewohnt ist, fördert auch die Neigung zur Abgehobenheit und macht sie in ihren jeweiligen Heimatländern umstritten und gelegentlich unbeliebt. JMS ist da keine Ausnahme.

In den meisten demokratisch verfassten Staaten haben sich augenscheinlichzwei ganzunterschiedlicheRegierungsstile entwickelt,dieaufkonträrenÜberzeugungen fußen und von ganzunterschiedlichenPolitikertypenverkörpert werden.JMSversteht es glänzend Politik zumoderieren und verschiedene Fachmeinungen in den Entscheidungsprozess einzubinden, darin derin diesem Metier beispielgebenden deutschen Kanzlerin nicht unähnlich, wohingegen der einemautoritärenRegierungsstil zuneigendeAlvaroUribenichtaufAusgleichsetzt, sondern seineGefolgschaft durch Polarisierungenund massiveAnfeindungen gegenüber dempolitischenGegneran sich zubindenversteht.

Derstudierte Ökonom und JournalistJMS hatnachdem Endeseiner langen und erfolgreichen politischen Karriere seinen neuen Platz im erlauchten Kreis derdistinguierten Wissenschaftler gefunden.Als Gastprofessoran der EliteuniversitätHarvard undMitglied imExekutivausschussderrenommierten Rockefeller-Stiftung wurdeer vonden Angehörigen der Ostküsten-Elite indenUSAalseinervon ihnenaufgenommen. Dort atmet er die vertrauteakademischeund weltpolitische Luft,dieerschon als Sohneines angesehenen ChefredakteursundHerausgebersvon Kolumbiens größterTageszeitung, El Tiempo,imElternhausaufdie ungezwungeneArt und Weise und mit der Selbstverständlichkeitin sich aufgenommen hatte, wie sie nur einem Angehörigenvon Bogotas Führungsschicht zueigen ist.

In seiner jetzt beim Editorial Planeta publizierten Schrift versucht er, die aktuelle Situation Kolumbiens aus der Sicht des Optimisten zu beschreiben und zu beurteilen. Er gibt sich alsglühender Verehrer des bekannten „Star-Denkers“ und Harvard-Kollegens Steven Pinker zuerkennen und bricht eine Lanze für dessen Weltsicht des Optimismus (gewonnen aus Evidenz). DerBestsellerautor Steven Pinker („Aufklärung Jetzt“) ist eine umstrittene Figur, den man durchaus alsPsychologen für Nicht-Psychologen bezeichnen darf Das muss kein Manko sein, auch andere prominente Wissenschaftler haben ihre weltweite Berühmtheit jenseits der Grenzen ihres Fachgebietes mit Publikationen für die breite Öffentlichkeit erworben, beispielsweise der HistorikerYuval Harari („Homo Deus“) oder der Ökonom Thomas Piketty („Das Kapital im 21.Jahrhundert“).

Wunderbar, könnte man meinen, wenn sich bei Pinker – und (ihm folgend) JMS – der Optimismus nun überschwänglich auf Kolumbien richtet!

Dabei geht es nicht um den Optimismus als entspannte Geisteshaltung zur Förderung des individuellen, familiären oder gar gesellschaftlichen Lebensglücks, sondern um seine Funktionalisierung als politisches Programm, wenn nicht politische Theorie zur allgemeinen Verbesserung der Welt und der Lebensbedingungen seiner Bewohner.

Pinkers Thesen passen in die Zeit. Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten. Dieses Mantra hämmern uns die Börsen tagtäglich ein. Ob der Optimismus aber als allgemeine Richtschnur politischen Handelns zum Zweck der Verbesserung der Welt wirklich taugt, darf mit Fug und Rechtbezweifelt werden, schon eher beschleicht einen der Gedanke, dass in der Huldigung des Optimismus einmal mehr das Opium des Volkes am Werke ist, um das Wohl der (guten)Regierenden zu mehren.

Pinker, der das Vorwort zu JMS „Optimistischer Botschaft für eine Welt in der Krise“ beigesteuert hat, liest aus den Statistiken über den historischen Verlauf der letzten Jahrhunderte eine stete Entwicklung zum Positiven heraus. Alles habe sich verbessert, es gebe weniger Kriege, weniger Gewalt, weniger Armut, weniger Hunger, mehr Bildung, mehr Wohlstand, mehr Demokratie, und das weltweit und mehr oder weniger kontinuierlich.

Warum wollen dies die meisten Zeitgenossen bloß nicht wahrhaben, sondern insistieren auf die vielen Missstände in der Welt? Dazu liefert Pinker eine schlichte wie reflexartige Erklärung. Schuldseien die Medien, die die Wahrnehmung der Welt bestimmten und verzerrten, die „von raren Ereignissen wie Kriegen, Epidemien oder Katastrophen berichten, nicht vom Alltag, also von Frieden, Gesundheit und Sicherheit. Diese Neigung zum Negativen verstärke sich noch, weil die Journalisten um Klicks kämpfen und als Moralprediger ihr Publikum aus seiner Selbstzufriedenheitreissen wollen.“

(Zitat aus der NZZ vom 02.02.2019 – Hier geht es zum Link)

Die These, dass die Welt immer besser werde, versuchen Pinker, bezogen auf die Welt und JMS, bezogen auf Kolumbien, mit einer Vielzahl an statistischen Daten zu belegen. Dabei sind nicht die Daten das Problem, sondern ihre vorgenommene Bewertung und die angelegten Vergleichsmaßstäbe.

Ein Beispiel. Kolumbien gehört nach Ansicht der Vereinten Nationen im lateinamerikanischen Kontext zu den Ländern mit dem höchsten Grad an Ungleichverteilung in punkto Einkommen und Vermögen, abzulesen am sog. GINI-Koeffizienten. Hierbei wird die Einkommensverteilung entlangeiner Strecke zwischen 0 und 1 dargestellt, wobei die höhere Zahl ein höheres Maß an Ungleichheitbeschreibt. Der Koeffizient sei in den 1990er und Nullerjahren gleichbleibend hoch gewesen und erst zwischen 2010-2018 in signifikanter Weise von 0.563 auf 0.517 gefallen. Damit habe sich Kolumbien vom letzten Platz (gemeinsam mit Haiti) auf eine gute Position im Mittelfeld des Länderrankings vorarbeiten können. Das stelle, laut Expertensicht, so JMS, auf diesem Niveau einegewaltige Verbesserung da. Stimmt die Aussage, ist das eine Vermutung oder gesicherte Erkenntnis und welche Erklärung hat er dafür? Schließlich deckt sich der angegebene Zeitraum mitdem Mandat seiner Präsidentschaft. Wir erfahren es leider nicht.

Zustimmen wird man JMS mit der positiven Beurteilung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung hinsichtlich der makroökonomischen Faktoren wie der Entfaltung von Unternehmensgeist oder bei der Bewertung der kolumbianischen Geldpolitik mit einer noch immerweitgehend unabhängigen Notenbank (Banco de la Repüblica), geringer Staatsverschuldung und moderater Inflation. Auch eine funktionierende Gewaltenteilung mit intakten Institutionen gehört zuden großen Pluspunkten Kolumbiens im lateinamerikanischen Vergleich, ohne dass man zu dieserFeststellung auf den Optimismus rekurrieren müsste. Schade allerdings, dass diese positivenBefunde einer breiten Öffentlichkeit kaum bekannt sind.

Wenig bis gar nichts erfährt man aber zur anhaltenden desolaten Menschenrechtsproblematik (den erschreckend hohen Zahlen ermordeter sozialer Aktivisten seit dem Friedensschluss), die Rolle derArmeeführung bei der Rekrutierung und anschließenden Ermordung junger Männer aus den Armenvierteln von Bogotä, sog. falsos positivoss, sowie zur gegenwärtigen und zukünftigen Rolleder afrokolumbianischen Gemeinschaften und indigenen Völker. Ihnen allen wünschte man ein wenig mehr von dem ansonsten geradezu verschwenderisch verteilten Optimismus.

JMS ist während seiner Präsidentschaft in Kolumbien vieles gelungen, das zuvor kaum möglich schien und sein positives Denken wird ihn in seinen Überzeugungen bestärkt haben, einen Friedensvertrag mit der bis dahin ältesten und kampfstärksten Guerilla des Kontinentes abzuschließen, eine außerordentliche Willensleistung, die viele seiner Vorgänger nicht aufbringen wollten oder konnten, wodurch er dem Land das Tor zum 21. Jahrhundert geöffnet hat. Der nun vorliegende Interviewband präsentiert die aktuelle Faktenlage in Kolumbien übersichtlichund eingängig formuliert, dennoch weiss JMS mit seinen Ausführungen nur bedingt zu überzeugenund bereitet mit seiner Überdosis an Optimismus all denen, die sich ernste Gedanken um die Zukunft des Landes machen, anhaltende Kopfschmerzen.

 

Beethoven für Rapper und Breakdancer in Medellín

Blog-Autor Wolfgang Goede, zur Zeit in San Jeronimo (bei Medellín) , schrieb uns diese Mail:

„… aus München flog mir dieses 3Sat Video über das Beethoven Jubiläum zu =>

https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/diesen-kuss-der-ganzen-welt-102.html

Sehr beeindruckend, der Rapper Andrés Felipe Gonzalez aus Medellín, der zusammen
mit seinen Freunden zu Beethoven Breakdance veranstaltet:
Medellín, Welthauptstadt der Innovation — auch in der Interpretation der Weltmusikklassiker!“

Auf eine Tasse Café con Leche

Corona-Update

San Jerónimo. Colombia 30. Juli 2020

Wolfgang Chr. Goede

 

Auf eine Tasse Café con Leche

Mit Anneli Seifert (AS) und Luisa Friederici (LF) über Herausforderungen für Medellíns Alexander von Humboldt Kulturinstitut in Corona-Zeiten.

Der Mauerfall. Diese weltpolitische Zäsur brachte das Alexander von Humboldt Kulturinstitut in Medellín hervor. Bis 1994 hatte das Goethe Institut die Stadt mit Sprach- und Kulturangeboten versorgt. DiesesDoppelpaket erfreute sich großer Popularität in der Hauptstadt der „Paisas“. Mit dem Ende des KaltenKrieges mussten Goethe Institut und Auswärtiges Amt ihr Budget auf mehr Länder verteilen. Das GoetheInstitut Medellín wurde Opfer des Rotstiftes. Dies war die Stunde von Anneli Seifert, bisher Goethe-Deutschlehrerin und in Medellín aufgewachsene Tochter deutscher Einwanderer. Mit einer Handvollmutiger Kollegzinnen hob sie „Humboldt“ aus der Taufe. Jetzt ringt die Leitung mit einer neuen Zäsur: derCorona-Krise und ihren Verwerfungen. DKF Mitglied Wolfgang Chr. Goede lud zum Interview via Zoom. Wie geht’s dem Goethe-Nachfolger? Wie manövriert er durch Corona? Und welche unerwartetenGlücksfälle dabei helfen?

DKF: Glückwunsch zu Eurer frisch aufgesetzten Webseite. Eine optisch-informative Fiesta an Information: Kurse, Weiterbildung in Deutschland, Kulturevents — einedeutsche Insel inklusive gutbestückter Bibliothek inmitten der Vier-Millionen-MetropoleMedellín. Der Webseite ist zu entnehmen, dass Ihr umgezogen seid?

AS: Ja, im Januar. Einen Block weiter, weiterhin im Stadtteil Calasanz, bequem in Reichweite der Metrostation Floresta. Nach bereits mehreren Umzügen in den letzten25 Jahren haben wir Anfang des Jahres 2020 unseren Traum realisiert: größere undhellere Räume.

DKF: Kaum neueröffnet, funkte im März Corona COVID-19 dazwischen.

AS: Das war ein herber Schlag. Aber wie vielen anderen Sprachinstituten, Schulen, Universitäten in Medellín gelang es uns, innerhalb weniger Tage vom analogenPräsenz-Modus auf den digitalen online Modus umzuschalten. Dank Luisa, unserer akademischen Direktorin.

LF: Fünf Jahre lang habe ich mich im digitalen Sprachunterricht fortgebildet, unter anderem als zweimalige Goethe-Stipendiatin. Diese Erfahrungen kamen uns beimvirtuellen Neustart sehr zupass.

DKF: Respekt Manch etablierte und erheblich besser ausgestattete Bildungseinrichtung in Deutschland könnte von Euerm digitalen Schwung lernen. Aber erst einmal zu den Gründerjahren. Eine Institutsgründung ist kein Klacks. Was warendie Herausforderungen, Anneli?

AS: Mit einem Eigenanteil von je einer halben Million Pesos kauften die Gründer das Mobiliar und einige pädagogische Materialien des Goethe Instituts. Das war damalskein Pappenstiel, reichte aber auch nicht für große Sprünge. Bei der Namensfindung taten wir uns schwer. Wir überlegten hin und her, zwischen Schiller und Leibniz,einigten uns dann auf den in Kolumbien wegen seiner Forschungsreisen so beliebtenAlexander von Humboldt. Kein anderer Deutscher ist hier populärer und steht mehrfürs Deutschsein als er.

DKF: Auf Eurer Webseite seid ihr mit dem Goethe Institut und DAAD verlinkt. Wie hab Ihr das geschafft?

AS: Unser Zuspruch bei der Bevölkerung war so groß, dass wir nach einigen Jahren eine Botschaftsförderung erhielten. Daraufhin erfolgte die Registrierung beim GoetheInstitut. Mit der Einrichtung in Bogotá arbeiten wir seither eng zusammen und nehmenan Schulungen teil. Das ist ein Riesenvorteil, bei eigener institutionellerUnabhängigkeit. Seit sieben Jahren sind wir nunmehr auch anerkanntesPrüfungszentrum für die Goethe Prüfungen Al bis B2, Abschlüsse und Zertifikate in deutscher Sprache.

DKF: Und wie funktioniert das mit der Kulturarbeit?

LF: Über Goethe erhielten wir im letzten Jahr rund 13.000 Euro aus dem auswärtigen Kulturbudget für die Pflege und Verbreitung deutscher Sprache und Kultur hier in Medellín. Das erscheint auf ersten Blick viel, besonders für Kolumbien. Aber wenn man Reisekosten und Honorare für die Kulturschaffenden und Künstler abzieht, bleibt davon nicht so viel übrig.

DKF: Was sind Eure Kultur-Highlights?

AS und LF: Die Kolumbientour der Münchner Band Jamaram, bekannt für Reggae,Funk, Latin und Blues, war vor drei Jahren ein großer Erfolg. Der Theatersaal der EAFIT Universität hier in Medellín proppevoll. Ebenso wie die „Catedral Metropolitana de Medellín“ beim Orgelkonzert von Christian Schmitt. Der über 50 Meter hohe und größte Lehmziegelbau der Welt beherbergt die berühmte Walter-Orgel, für 350.000 Euro Spende aus Deutschland saniert. Sie erklang wieder unter dem kunstvollen Spiel des Organisten.

DKF: Beide Veranstaltungen habe ich miterlebt. Der überwältigende Zuspruch von Jung und Alt war für mich persönlich ein frischer Zugang zu deutscher Kultur und ihrer Vielfalt Auch mit einem Gefühl des Stolzes, den man in Deutschland so nicht empfindet Woran erinnert Ihr Euch sonst noch gerne?

AS: Der Komponist und Stummfilmpianist Stephan von Bothmer war schon viermal hier. Die Schriftsteller Paul Maar und Uwe Timm haben aus ihren Werken gelesen. Auch Sprachkritiker und Bestsellerautor Bastian Sick („Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“) hat uns die Ehre gegeben.

LF: Ein besonders geschätzter Service muss erwähnt werden. Während in Deutschland solche Veranstaltungen zum Teil hohe Eintrittsgelder verlangen, sind sie hier für alle gratis.

DKF: Sind das einmalige Events oder gibt’s darüber hinaus auch eine kontinuierlichere Zusammenarbeit in bilateraler Kulturpflege?

LF: Wir arbeiten an einer größeren Nachhaltigkeit der Beziehungen. Etwa dass die Künstler an den Unis Workshops veranstalten. Zwischen dem Stadtteil Moravia, der auf einer Abfallhalde entstand, und Stadtplanern in Berlin gibt’s ein gemeinsames Projekt. Das wird auch vom Goethe Institut Bogotá finanziell unterstützt.

DKF: Statt Einbahnstraße von Deutschland nach Kolumbien wird es künftig mehr wechselseitigen Austausch geben?

AS: Idealerweise ja, aber Kultur und Kunst werden hier in Kolumbien staatlich kaum gefördert, sodass die Anstöße von hier nach drüben entsprechend schwach sind.

DKF: Manchmal nimmt die gegenseitige Kulturförderung wundersame eigene Wege. Botero mit seinen dicken Menschen war viele Jahre lang ein No-Name. Mit einer Ausstellung im Münchner Lenbachhaus erlebte er seinen künstlerischen Durchbruch. Aus Dankbarkeit posiert er seither auf vielen Fotos im bayerischen Trachtenjanker.

LF: Paisas (Bewohner des Departements Antioquia) und Bayern haben eines gemeinsam, das selbstbewusste „mir san mir“. Vielen Kolumbianer*innen aber fehlt es ein wenig an Stolz über ihre Kultur, Traditionen, Lebensweisen. Ihr Selbstwertgefühl sollten wir mittels moderner Pädagogik stärken. Sprachunterricht bietet dafür viele Möglichkeiten.

AS: Stolz etwa auf leckere Arepas (Maisfladen). Garantiert glutenfrei. Hilfe und Rettung für unzählige Allergiker dieser Welt.

DKF: Deutschland umwirbt auch Kolumbianer, um seinen Pflegekräftenotstand von 50.000 unbesetzten Stellen auszugleichen. Thema für Euch?

LF: Ein großes. Zehn Angeworbene haben unsere Deutschkurse bereits durchlaufen, das B2 Zertifikat erworben und sind mittlerweile in deutschen Krankenhäusern tätig. Das Vermitteln der Sprache ist Ochsenarbeit für uns alle. Der Stoff von drei Jahrenmuss in sechs Monaten vermittelt werden. Das bedeutet Fulltime für beide Seiten, einen ganzen Arbeitstag lang lehren und lernen.

DKF: Wie reagiert Deutschland auf die Kolumbianerinnen?

LF: Unsere Absolventen freuen sich, dass sie so herzlich in den deutschen Kliniken aufgenommen worden sind. Sprachlich kommen sie gut mit. Überrascht sind sie, wie schnell man sich bei der Arbeit duzt. Gruppen von jeweils zwölf, dreizehn und neun Krankenpflegekräften sind derzeit bei uns noch im Unterricht und Sprachtraining.

DKF: Was sind die Vertrags- und Arbeitsbedingungen?

LF: Ein inklusives Rundumpaket, bei dem alles bezahlt wird. Sprachkurs, für dessen Dauer das Gehalt weitergezahlt wird, Reisekosten. In Deutschland verpflichten sich die Ausreisenden für zwei Jahre. Ihr Arbeitsvertrag ist aber unbefristet, sodass sie praktisch für immer bleiben können.

DKF: Viele Latinos in Deutschland plagt großes Heimweh.

DV-Magazin Nr. 97 Juni 2020 – Absolvent*innen der ersten Gruppe von Pflegekräften am AvH mit ihren Goethe-Zertifikaten (Fotorechte: Luisa Friederici)

AS: Die Bewerberinnen motiviert die bessere Bezahlung mit der Möglichkeit, davon ihre Familien unterstützen zu können. Die Aussicht, an neuen Technologienfortgebildet zu werden, erleichtert weiterhin den Entschluss.

 

DKF: Erlaubt bitte eine Frage zu Euch persönlich. Wie lebt’s sich als Grenzgänger zwischen den Kulturen?

 

AS: Hier in Kolumbien muss man immer dreimal nachfragen, ob etwas erledigt ist. Das ist aufwendig. Gleichzeitig herrscht viel Toleranz, wie café con leche, mit mal mehr, mal weniger Kaffee oder Milch. Grundsätzlich haben beide Kulturen die gleiche Wiege und lassen sich gut verkoppeln.

LF: Wir Deutsche genießen in Kolumbien einen guten Ruf. Das ist ein Privileg und erleichtert das Leben. Hier wird weniger gemeckert als in Deutschland, auch weniger beurteilt und verurteilt. Die Menschen drüben sind verkopfter und weniger spontan. Während wir hier mehr Gestaltungsmöglichkeiten besitzen. Als ich vor zehn Jahren nach Medellín kam, wurde ich in der Metro noch angestarrt und die Leute raunten: „Mona, Mona“ (Blonde, Hellhäutige). Das passiert heute nicht mehr. Medellín ist viel internationaler geworden, die Hautfarben vermischen sich mehr. Wenngleich deren Tonalität weiterhin eine Rolle spielt.

DKF: Wie blickt Ihr in die virtuelle Zukunft?

AS: Kulturarbeit via Bildschirm wird schwer, finde ich. Gestern habe ich mir ein virtuelles Konzert angesehen. Die Künstler in drei Meter Abstand und mit Mundschutz. Kein Riesengenuss. Infolge der Pandemie haben wir zwar viele unserer Schülerinnen verloren. Aber nicht zuletzt mit der Pflegepersonalschulung konnten wir viele Verluste auffangen. Und wir haben gelernt, dass Videokonferenzen viel einfacher, billiger und umweltfreundlicher sind, als etwa nach Bogotá zum Goethe Institut zu düsen.

LF: Im Online Modus können wir weit über die Grenzen der Stadt hinaus unterrichten. 70 Prozent des Landes haben mittlerweile Internet. Ein Riesenmarkt für unseren Unterrichtsbetrieb.

DKF: In Kolumbien gibt’s noch keine Corona-Entwarnung. Im Gegenteil: gerade wurde die Quarantäne wegen steigender Infektionskurven erneut verlängert bis Ende August. Was sind Eure Prognosen?

LF: Während mittlerweile vier Monaten Quarantäne habe ich viermal meine Wohneinheit verlassen. Wenn man durch Medellín fährt, sieht man viele rote Tücher von Hilfebedürftigen. Die Not ist groß. Gleichzeitig haben wir alle in dieser Zeit erlebt,wie wenig wir an materiellen Dingen brauchen. Das Wichtigste sind Gesundheit und Familie.

AS: Uns in Kolumbien fällt Verzicht leichter als in den Ländern des Nordens. Zum Bewältigen der Krise werden die Familien noch enger zusammenrücken.

DKF: Ein Schlusswort, bitte?

AS und LF: Wir danken all unseren Lernenden und Lehrenden, die mit uns durch diese schwierige Zeit gehen. Wie wir sehen, stecken in der Krise auch Chancen. Wo sich Türen schließen, öffnen sich viele neue.

Links:

Alexander von Humboldt Kulturinstitut Medellín Webseite:https://avhmedellin.co/

Deutsch von Null auf B2 in sechs Monaten — geht das? IDV Magazin Nr. 97, Juni 2020, S. 49ff. Ko-Autorin Luisa Friederici, AvH Akademische Direktorin https://idvnetz.org/wp-content/uploads/2020/06/1DV-Maqazin-JUNI-2020.pdf

Garcia-marquesk

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Corona-Update
San Jerónimo 20. Juli 2020
Wolfgang Chr. Goede

 

Heute am 20. Juli 2020 ist Kolumbiens Nationalfeiertag*. 210 Jahre Unabhängigkeit. Eine ein wenig andere Würdigung aus San Jerónimo, Antioquia.

Garcia-marquesk ist eine kühne Wortschöpfung des Autors. Die deutsche Adjektivierung Gabriel Garcia Márquez‘. Wie kein anderer steht der Nobelpreisträger für Kolumbien, seinen Surrealismus und seine Magie, groteske Absurditäten, singuläre Schönheiten und Charme. Diesen Cocktail hat Gabo meisterhaft in Worte geschlagen. „100 Jahre Einsamkeit“ und viele seiner Werke sind Mythen und Märchen aus der Vergangenheit und gleichzeitig Abdruck einer Realität, die abendländische Rationalität und Aufklärung scheinbar sprengen. Fragt sich, ob nur Kolumbien garcia-marquesk ist. Sind der Rest der Welt, unsere Kultur vielleicht sogar garcia-marquesker?

Es ist 8.30 Uhr in der Frühe. Unser Kühlschrank schwächelte. Jetzt hat er zu brummen aufgehört. Darin alles lauwarm. Das geht schon eine Weile so. Reparaturleute kommen und gehen. Unverrichteter Dinge. Hier muss was geschehen. Sofort! Der Verwalter geht unwillig an sein Handy. In Rekordzeit nach nur 15 Minuten erschallt von der Eingangspforte eine Motorradhupe. Ein Kühlschrankfachmann ist da und nimmt flugs die Elektronik des Geräts auseinander. In dem Moment kündigt sich auch ein lange überfälliger Mechaniker an. Der Verwalter zuckt hilflos die Achseln: „Wochenlang kommt keiner, plötzlich alle.“

Ist das garcia-marquesk?

Nein, Effizienz und Action, wenn man ein wenig Druck macht. Das machen wir Deutschen gerne. Aber aufgepasst! Damit verletzt man leicht Gefühle und Stolz der Kolumbianer. Bei uns ist das Fell dicker gegenüber Druck. Mit dem Risiko, dass der so dringend notwendige Handwerker auf stur schaltet und in Gänze abtaucht.

Kolumbien bleibt für viele ein ewiges Rätsel. Allein der Blick über die Andenkordilleren, verhangen, erhaben, geheimnisvoll. Schweigende Zeugen einer turbulenten Vergangenheit. Ergebnis des Zusammenstoßes von Erdplatten. Und der von Kulturen und Menschen.

Die Menschen, fast alle ausnahmslos freundlich. Aber was denken sie? Warum gibt es bei so viel Wärme so viel Blutvergießen? Konquista, Violencia, Pablo Escobar, FARC … Liebe, Ärger, Hass sind hier anders skaliert. Emotionen schlagen in alle Richtungen leicht hoch, enteilen rasch der Kontrolle. Vielleicht entschuldigen sich die Menschen deshalb so häufig. Um Konflikten im Keime bereits die Reißzähne zu ziehen.

Die Indigenen. Bei so viel Fröhlichkeit und Lockerheit der kreolischen Kolumbianer stechen die Überlebenden der Ureinwohner mit ernst-traurigen Gesichtern hervor. Wieviel Leid, Herabsetzung, historisches Unrecht verbergen sich dahinter? Eine Bevölkerung, die von Konquistadoren und Kolonisatoren regelrecht ausgelöscht worden ist. Deren Holocaust.

Garcia-marquesk?

Was könnten uns die indigenen Kulturen alles an Lebensweisheit verraten? Naturheil- und Naturkunde? Wie ihre so beeindruckenden Hochkulturen funktionierten? Die heute Überlebenden wissen es nicht mehr. Wir deshalb auch nicht. Unsere Quellen sind die der Spanier mit ihrem Blick auf die in ihrer Wahrnehmung gottlosen Untermenschen.

Die Fahrt zu den Küsten an Atlantik und Pazifik führt zu den Afro-Kolumbianern. Die wochenlangen Proteste der Afro-US-Amerikaner im Sommer 2020 haben uns die Augen geöffnet für die Schwarzen in den Amerikas. Die Demos waren Antwort auf die brutale Ermordung von George Floyd durch Polizisten in Minneapolis. Die ehemaligen Sklaven aus Afrika werden bis heute schikaniert, diskriminiert, getötet. Schwarz und Weiß bleiben, nicht nur farblich, Welten extremer Kontraste.

Unruhen auch in England. Dort wurden Statuen von Honoratioren von ihren Sockeln gezerrt, als Sklavenhändler und Rassisten entlarvt. Ein Kolumbus geköpft. Gleichwohl, viele andere Völker waren nicht viel zartbesaiteter beim Unterwerfen anderer Völker. Inklusive die der Amerikas. Inka, Maya, Kariben, Chibchas. Pardon, der gute Indianer ist ein Märchen.

Garcia-marquesk?

Kolumbien ist voller Märchen und Mythen. Rund um wilde Tiere, Verstorbene, die plötzlich als Wiedergänger erscheinen, als Geister, Gespenster, über den Himmel ziehen. Garcia Marquez‘ Geschichten wimmeln davon. Aber die Quantenmechanik weiß: Alle Materie ist Energie und miteinander verbunden. Insofern gibt’s für das Garcia-Márquez’sche Zerfließen von Realität und Historie, Traditionen und Mythos eine starke wissenschaftliche Komponente.

Garcia-marquesk?

Literaturwissenschaftlich ist diese Betrachtung über Meister Gabos magischen Realismus vermutlich viel zu plump und dilettantisch. Die Profession wäre vermutlich bereits kreischend die Wände hochgerannt.

Aber schlagen wir mal weiter in die Kerbe. In San Jerónimo (kolumbianische Kleinstadt zwischen Medellín und Sta Fe de Antioquia) machen hahnebüchene Gerüchte die Runde. Sie könnten für einen garcia-marquesken Bürstenstrich taugen. Dass für jeden Corona-Toten die Regierung 30 Millionen Pesos zahle und dass jeder, der zum Arzt geht, sich automatisch infiziere.

Ungewissheiten und Ängste treiben kuriose Blüten in einer Landgemeinde. Menschen mit oft nur ein paar Jahren Schulbildung. Verschwörungstherorien sind Deutschland auch nicht fremd, selbst und besonders unter Forschern. Die renommierte Akademie Tutzing macht demnächst eine ganze Konferenz zu Verschwörung in der Wissenschaft.

Wenn der örtliche Schweißer beklagt, dass Autos vormals Jahrzehnte hielten, heute nur noch ein paar Jahre, weil viele Teile nicht mehr ersetzbar sind und dass er dahinter ein Komplott der Industrie vermute, ist das nicht unbedingt Verschwörung, sondern Realität – unsere ungeschminkte Konsum- und Wegwerfwirklichkeit. Ausplündern eines Planeten für fragwürdiges Wachstum und Bequemlichkeit.

Garcia-marquesk?

Die paramilitärischen Zwischenfälle hier in den Andentälern, bei denen kleine Diebe erschossen wurden, weil Polizei und Gericht die Augen zudrücken, könnten Stoff für Garcia-Marqueskes abgeben. Viele Einheimische finden Selbstjustiz richtig, weil auf hoheitlich staatliche Organe kein Verlass sei und sie korrupt seien. Es gibt Länder, in denen jeder Bürger einen Eindringling in seinem Garten erschießen darf. Mit staatlich geschütztem Recht auf eigene Feuerwaffe und Selbstverteidigung.

Garcia-marquesk?

Unterdessen hält die Pandemie die Welt weiterhin im Klammergriff. Leichte Grippe? Genesene werden rückfällig. Impfstoffe sorgen vielleicht nur für ein paar Monate für Immunität. Nichts Genaues weiß man nicht nach sechs Covid-19 Monaten. Trotz aller Wissenschaft. Unheimlich. Wo kommt das Virus her? Wo geht’s hin? Was macht’s mit uns? Ein Präsident, der das Virus lange als Fake behandelte, worüber Zehntausende von Bürger*innen verstarben, erscheint neuerdings mit Gesichtsschutz in der Öffentlichkeit – und einer neuen Haarfarbe. Während eine digital-stalinistische Spätdiktatur mauert, sich jeglicher Ursachenforschung über die Herkunft des Virus verschließt.

Ja, wie garcia-marquesk ist denn das? Was Gabo daraus für Geschichten hätte weben können!

PS: Der Kühlschrank funktionierte wieder. Doch nach zwei Tagen kehrte er in den Schweigemodus zurück. Just als wir reklamieren wollten, sprang er wieder an und tat seinen Dienst. Mittlerweile ist er wieder verstummt. Garcia-marquesk?

*) Zum Wochenende des Nationalfeiertags gibt es in vielen Teilen Kolumbiens Alkoholverbot (ley seca) und nächtliche Ausgangssperren (toque de queda). Das soll das Corona-Virus und Infektionen eindämmen helfen.

Der Bildungsreise-Pionier

Corona-Update

Medellín14. Juli 2020

Wolfgang Chr. Goede

 

Der Bildungsreise-Pionier

 

DKF Interview mit Markus Jobi, CEO der Reiseagentur Palenque Tours in Medellín: Über Pioniergeist, Deutsch-Sein, Corona-Optimismus.

Markus Jobi gehört zu Medellíns bunter Gemeinde von Expats. Viele sind mit Beginn der Corona Pandemie in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Markus Jobi, Begründer und CEO von Palenque Tours, ist geblieben. Ein Self-Made-Man, der mit seinem Studium der Lateinamerikanistik in Köln nach Medellín kam. Und dann, wie so viele andere deutsche Geschäftsleute in Kolumbien, die entweder gleich blieben oder nach kurzem Heimataufenthalt zurückkehrten, die Reiseagentur Palenque 2012 in Medellín gründete. Sie ist Repräsentant nationaler und internationaler Reiseveranstalter. Palenque hat einen umfangreichen Reisebaukasten für die verschiedenen Regionen und Attraktionen des Landes entwickelt. Daraus stellt es individuelle Reisepakete für Kleingruppen und Einzelreisende zusammen und betreut sie von der Ankunft am Flughafen bis zum Moment der Abreise. Die Zielgruppe für diesen Komplettservice sind Angehörige des gehobenen Mittelstandes, Menschen über 60 — Typus Bildungsreisende, die viel über die Kultur lernen und ihr Leben damit bereichern möchten. Ökologie, Naturschutz und nachhaltiges Reisen sind für Palenque Programm.

DKF: Lieber Markus, mit Palenque verbinden wir die berühmten Maya-Pyramiden in Mexiko. Wofür steht Palenque hier in Kolumbien?

MJ: So hießen die Dörfer entlaufener Sklaven bei Cartagena. Die haben wir zu unserem Markennamen gemacht.

DKF: Was sucht der typische Palenque-Reisende?

MJ: Drei Wochen lang Kolumbien erleben. Eine beliebte Route ist diese: Von den archäologischen Ausgrabungen in San Agustin via Kaffeezone nach Medellín. Der Hauptteil unserer Kunden kommt aus Nord- und Westeuropa, den USA und Kanada. Wobei die Europäer anspruchsvoller sind und gerade die Deutschen eher vom Typ Weltenbummler sind.