Hogar Monserrate

 Betreuung von Jungen und Mädchen, die ihr Zuhause verloren haben

Das Kinderheim Hogar Monserrate wurde im Februar 1957 durch Padre Bernardo Acosta Padilla gegründet und am 12.01.1961 als Verein eingetragen worden. Seit seinem Tod (2001) wird das Heim von Schwestern der mexikanischen Kongregation „Schwestern vom heiligen Herzen und der Armen“ geleitet.  

Das erste Haus entstand in der Calle 18 sur No. 5-78 in Bogotá. Einige Jahre später  wurde in der Nähe von Chocontá auf einem großen Gelände in Hanglage über dem Stausee von Sisga ein zweites Haus errichtet. Danach kamen weitere einfache Gebäude auf demselben Gelände hinzu, darunter Ende 2003 ein Haus für Mädchen. Das zunächst nur für Jungen vorgesehene Kinderheim kann  seitdem auch Mädchen aufnehmen.

Zur Zeit werden 50 Jungen und Mädchen, die kein eigenes Zuhause mehr haben, rundum betreut. Sie erhalten Schulunterricht und einfache Ausbildungen.

Die Förderersituation

Der Hogar erhält keine Unterstützung vom kolumbianischen Staat. Zur Deckung der laufenden Kosten ist er ausschließlich auf Spenden angewiesen. Gelegentlich erhält er als Geschenke Sachmittel, z.B. gebrauchte Kleidung, Matratzen und auch Betten und Tische. Aber regelmäßig ist das Bargeld knapp, das u.a. für den Zukauf von Lebensmitteln, Verbrauchsmaterial (Seife, Waschmittel …), zum Bezahlen der Strom- und Wasserrechnung, aber auch zur Renovierung beschädigter Wände und Dächer der Gebäude oder zur Befestigung abgerutschter Wege benötigt wird.

Es gibt eine Unterstützergruppe in Bogota, gegründet von Frauen von Militärangehörigen, die Spenden und Sachmittel sammelt 

Seit nahezu 30 Jahren unterstützt die Niederlassung München des DKF e.V. den Hogar Monserrate. Dies geschieht gelegentlich mit Geldbeträgen aus Veranstaltungsüberschüssen der Niederlassung – in größerem Umfang aber noch durch das Einwerben von Spenden außerhalb des DKF. Im Jahr 2019 fand in München ein sehr gut besuchtes Benefizkonzert der kolumbianischen Sängerin Ximena Mariño und ihrer Band Consorcio Latino statt, das mehr als 3.000 Euro für den Hogar Monserrate erbrachte. Herzlichen Dank an Ximena und ihre Gruppe, die den DKF in München schon oftmals unterstützt haben.

Die mit großem Abstand großzügigsten regelmäßigen Spender sind seit einigen Jahren die St. Georg Pfadfinder der Kirchengemeinde St. Michael in München – Perlach. Sie stellen seit Jahren den Erlös ihrer Stände für Glühwein, Bratwurst und Bastelsachen auf dem Perlacher Weihnachtsmarkt für den Hogar Monserrate zur Verfügung. Und das ist stets eine große Summe in Höhe von 4.000 Euro und manchmal sogar noch mehr. Herzlichen Dank an die Pfadfinder dafür!

Eine weitere Unterstützergruppe hat sich um unser DKF-Mitglied Dr. Hermann Mohr, Hattersheim bei Frankfurt, gebildet. Herzlichen Dank an ihn an dieser Stelle.

Bericht eines Besuchs am 18. September 2019

Anlässlich unseres Kolumbienaufenthalts im August / September 2019 hatten wir, Alicia und Bernd Tödte, sowie unser Sohn Felipe, Gelegenheit, den Hogar, den wir bereits sehr gut kannten, erneut zu besuchen.

Das ungefähr 500×500 Meter große Hanggrundstück befindet sich oberhalb des  Stausees von Sisga in der Gemeinde Chocontá. Man gelangt von Bogotá dorthin auf der Autopista del Norte, die nach einiger Zeit  in die Straße nach Tunja übergeht. Von dieser zweigt etwa 60 Km nördlich von Bogotá die schmale unbefestigte Straße zum Hogar Monserrate ab. Wenn sie passierbar ist, erreicht man den Hogar nach ca. 4 Km. Häufig ist diese Straße aber wegen des starken Regens  und der sich dann ereignenden Erdrutsche nicht befahrbar – so auch bei unserem Besuch. Ein alternativer Zugang auf einer nur wenig besseren Straße führt dann um den ganzen Stausee herum. Auf diesem Umweg braucht man ungefähr 1,5 Stunden ab der gut ausgebauten Straße nach Tunja bis zum Hogar.

Wir wurden von Hermana Alma Rosa, die zusammen mit 6 weiteren Schwestern ihrer Kongregation den Hogar leitet, und den Kindern herzlich empfangen. Die Kinder sangen für uns ein Lied und führten dann sogar eine kleine Choreografie auf. Sie machen alle einen sehr munteren und fröhlichen Eindruck. In diese quirlige Schar etwas Ordnung zu bringen ist eine wirklich anspruchsvolle Aufgabe, der die Schwestern aber souverän gewachsen sind, wobei sie durchaus resolut, aber immer auch sehr fürsorglich mit den Kindern umgehen.

Die meisten Kinder sind zwischen 5  und 9 Jahre alt, das jüngste (ein Mädchen) ist 3 Jahre, das älteste (ein Junge) ist 13. Früher waren es überwiegend Straßenkinder aus Bogotá. Das hat sich geändert. Heute kommen die Kinder fast alle aus problematischen Familien in Bogotá und Boyacá.

Beispiele:

  • Eine ledige Mutter sitzt wegen Drogendelikten im Gefängnis. Der Bienestar Familiar (so etwas wie das Jugendamt) wollte das kleine Mädchen bei ihren Verwandten unterbringen, die sich aber weigerten, es aufzunehmen. So kam es zum Hogar Monserrate.
  • Eine Mutter ist drogenabhängige Prostituierte, Vater unbekannt – bei einem Hausbesuch stellte man komplett desolate Verhältnisse fest, in denen ein kleiner Junge sich selbst überlassen war. Jetzt ist er im Hogar Monserrate.

Neben solchen krassen Fällen gibt es aber auch viele solche, in denen Familien in großer Armut leben und einfach das Geld nicht reicht, um alle Kinder ausreichend zu versorgen.

Die meisten Kinder  haben also einen, wenn auch problematischen, familiären Hintergrund. Es wird angestrebt, dass sie nach ihrer Zeit im Hogar Monserrate, soweit das möglich ist, in ihre Familien zurückkehren. Um das zu fördern, halten die Schwestern den Kontakt zu den Familien aufrecht. Gelegentlich machen sie sogar Hausbesuche und sehen nach dem Rechten.

Zurzeit werden 35 Jungen und 15 Mädchen rundum betreut. Sie erhalten Schulunterricht (escuela primaria) von einem ehrenamtlich tätigen pensionierten Lehrer und einfache Ausbildungen. Zu den Betreuern gehören auch eine angestellte Psychologin und ein Sozialarbeiter. Die Arbeit dieser engagierten und kreativen Helfer ist überaus geschätzt und wertvoll. Sie beschäftigen die Kinder mit Sport und Spielen. Es gibt eine Fußball-  und eine Tanzgruppe, und neuerdings werden sogar akrobatische Kunststücke eingeübt. Bei allem machen die Kinder begeistert mit. Langweilig ist es in diesem Hogar für niemanden!

Mehr als 50 Kinder kann das Kinderheim leider nicht aufnehmen, da ansonsten von staatlicher Seite verlangt wird, eine zusätzliche Psychologin und einen weiteren Sozialarbeiter  einzustellen. Deren Gehalt in Höhe von  2 bis 3 Millionen Pesos (550 bis 850 Euro) monatlich kann der Hogar aber nicht aufbringen.

Neben dem Schulunterricht lernen die Kinder, im eigenen großen Garten, auf den die Schwestern sehr stolz sind, Gemüse anzubauen. Damit wird das gesamte Kinderheim versorgt, ohne dass, außer Kartoffeln, etwas dazugekauft werden muss. Manchmal bringen die Besitzer der umliegenden Fincas einen Sack Kartoffeln als Geschenk vorbei. Das Heim hat auch 7 eigene Kühe, die es mit Milch versorgen. Dazu kommen noch 6 Schweine und 40 Hühner. Ein Schaf war auch schon einmal da. Die Kinder machen mit großer Freude dabei mit, die Tiere zu betreuen.

Sie sind sehr lebendig und lernen durch das Miteinander bei Sport und Spiel  und durch die ihnen übertragenen kleinen Aufgaben im Garten, mit den Tieren oder auch bei der Mithilfe, ihre Wäsche zu waschen, soziales Verhalten und Verantwortung zu übernehmen.  Alle machen einen fröhlichen Eindruck. Ehemalige Kinder des Heims, jetzt im Erwachsenenalter, schauen manchmal vorbei und berichten, dass die Zeit im Hogar Monserrate ihr schönster Lebensabschnitt gewesen sei. Es ist immer sehr schwierig, wenn die älteren Kinder den Hogar wieder verlassen müssen, um den jüngeren Platz zu machen.

Das große Hanggrundstück über dem Stausee von Sisga bereitet Probleme. Heftige Regenfälle führen manchmal zu Erdrutschen auf dem Gelände, die dann wieder befestigt werden müssen.

Bei unserem Besuch konnten wir uns ein weiteres Mal davon überzeugen, dass in der kleinen Gemeinschaft des  Hogar Monserrate seit vielen Jahren eine sehr erfolgreiche Sozialarbeit mit Kindern geleistet wird. Schwester Alma Rosa und alle ihre Helfer in Sisga verdienen dafür große Anerkennung und in jeder Hinsicht Unterstützung.

Bernd Tödte, München

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