Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.V.

Dramatische Szenen bei der Leistung von Hilfe in Cali
<< zurück zur Übersicht

 
Corona-Update 
Cali, Sa. 25.4.2020 
Jenny Schuckardt
Niederlassungsleiterin München

 

Heute möchte ich nur ganz kurz zwei „Soforthilfe-Szenen“ schildern: 

Die Lage spitzt sich zu in Kolumbien. Jeden Tag finden sich mehr hungrige Menschen auf Straßen und Parks ein, die Stimmung wird ungehaltener und aggressiver. Das erlebte ich  vorgestern auf einer unserer Touren durch Cali, um Lebensmittelpakte und Geld an die notleidenden Menschen zu verteilen.   

Vor zwei Wochen war der Bereich unter der Brücke der Avenida 3 vor dem Seguro Social unbesiedelt, vorgestern war es dort voll mit Menschen, mit Familien, die sich kleine Zelte aufgestellt und Lagerfeuer gemacht hatten. Menschen, die Soforthilfe dringend brauchen können. Wir hielten mit dem Auto an, winkten einer Familie zu, um Hilfe zu leisten. Unfassbar schnell kam nicht nur die eine Familie, sondern Menschen von allen Seiten auf das Auto zugeschossen.

Sie flehten nach Hilfe, streckten ihre Arme, so dünn wie Holzsteckchen, durch das offenen Autofenster, klammerten sich mit aller Gewalt am Lenkrad fest. Plötzlich waren überall Arme. Und Gesichter. Von Hunger gezeichnete Gesichter. Verzweifelte Gesichter. Ohne Corona-Masken.

Ja, in diesem Moment packte mich die Panik. Die Angst vor Ansteckung, die Angst, dass jemand sich so fest am Wagen festklammert, dass ihm etwas zustößt. 

Es ging zum Glück gut aus, niemand wurde verletzt, wir gaben diesen Menschen Soforthilfe. Etwas Geld, um Essen zu kaufen. Ich hoffe sehr, dass wir uns nicht angesteckt haben. 

Aber nur zwei Straßenkreuzungen weiter, Carrera Primera con 32 eine völlig andere Situation: An der Ampel kauerte eine junge Frau, sichtlich am Ende ihrer Kräfte. Ihr Sohn, höchstens acht Jahre alt, arbeitete mit Maske, bot seine Dienste als Scheibenputzer an. Ihm überreichten wir 50.000 Pesos. Die Augen des kleinen Jungen füllten sich mit Tränen, er lief zu seiner Mutter, fiel ihr um den Hals, beide weinten. 

Es sind Gänsehaut-Momente. Diese unbeschreibliche Dankbarkeit dieser völlig verzweifelten Menschen gehört Ihnen. Danke für Ihre Spende! 




Veröffentlicht am:
00:47:14 25.04.2020

Letzte Aktualisierung
21:10:26 01.05.2020


<< zurück zur Übersicht

 


Nach oben 
Seite Drucken